Betrachtet man die Tendenz der Internetentwicklung insbesondere innerhalb der letzten 5-6 Jahre, so erkennt man einen ausgeprägten Trend hin zu visuell und funktionell reicheren, komfortableren und produktiveren Web-Applikationen.
So genannte „Rich Internet Applications“ (RIA) vereinen dabei typische Eigenschaften und Funktionalitäten von traditionellen Desktop- und klassischen Web-Applikationen und werden heute vielerseits als richtungsweisend für eine „nächste Softwaregeneration“ ausgelobt.
Auch das .NET-Framework stellt mit Technologien wie z.B. der „eXtensible Application Markup Language“ (XAML), der „XAML for Browser Application“ (XBAP) und insbesondere der „Windows Presentation Foundation Everywhere“ (WPF/E) sowie „ASP.NET AJAX“ (ehemals ATLAS) Möglichkeiten zur Verfügung, Applikationen zu implementieren, die als RIA direkt im Webbrowser ausgeführt werden können.
Neben dem Webbrowser benötigen viele RIA als einzige Softwarevoraussetzung ein Browser-PlugIn, um vornehmlich die grafisch zum Teil aufwendigen, interaktiven Benutzeroberflächen darzustellen.
Dieser allgemeine Trend lässt erahnen, dass ein Paradigmenwechsel von der Betriebssystemunabhängigkeit hin zur Browserunabhängigkeit stattfindet bzw. stattfinden wird. Die Bedeutung der Webbrowser als PlugIn-Container für verschiedenste Webformate (wie z.B. WPF/E, Flash, XBAP u.ä) und damit als primäre Ausführungsumgebung von Applikationen könnte dann zunehmend die allgemeine Betriebssystemdominanz – zumindest in bestimmten Anwendungsdomänen - ablösen.
Zur Realisierung und zum Design plattformunabhängiger Applikationen müssen dann andere Überlegungen als bisher stärker in den Fokus der Anstrengungen gerückt werden:
- Hat das für die Applikation notwendige PlugIn eine ausreichend große Marktpräsenz? Steht also für einen Großteil der Web-Browser das entsprechende PlugIn zu Verfügung?
- Unterstützen die gängigen Webbrowser die für die Anwendung notwendigen Standards bzw. Quasi-Standards wie z.B. die DOM-Manipulation via Javascript im Kontext von AJAX-Anwendungen?
Die Anforderungen bzgl. plattformübergreifender Anwendungen werden sich dann von der Unterstützung unterschiedlicher Betriebssysteme hin zur Ausführbarkeit in möglichst vielen Webbrowsern verschieben.